Hier können Sie Masken bekommen

CORONA-KRISE Schneidereien, Ehrenamtliche, Apotheken oder doch Selbst nähen?
Apotheken haben mit hohen Einkaufspreisen zu kämpfen. Freiwillige verarbeiten Stoffreste.
VON FREYA ADAMECK
CLOPPENBURG  Viele tragen sie bereits jetzt, ab kommenden Montag ist sie Pflicht im Nahverkehr und Einzelhandel in ganz Niedersachsen: die Mundschutzmaske. Dass nun doch eine Pflicht kommt, gab das Gesundheitsministerium am Mittwoch bekannt. Doch wo in Cloppenburg gibt es Masken, und was kosten sie?
SCHNEIDEREI
„Wir haben Anfang März damit angefangen. Masken herzustellen”, sagt Semira Atay, Inhaberin einer Änderungsschneiderei an der Osterstraße in Cloppenburg. Eine Arztpraxis trat gezielt auf die Unternehmerin zu und fragte nach Masken. Seitdem nehmen sie und ihr Mitarbeiter Aufträge entgegen. Sie fertigen die „klassischen” Mundbedeckungen an, dürfen sie aber im Verkauf aus rechtlichen Gründen nicht als solche bezeichnen. „Der Begriff Mundschutzmaske ist geschützt und bezeichnet nur Produkte, die wirklich für den medizinischen Bereich angefertigt werden.“ Das gleiche gilt für die Begriffe „Mundschutz” und „Atemschutzmaske”. Atay hat ihr waschbares Produkt aus Baumwolle deshalb „Nasen-Mund-Tücher” genannt. Fünf Euro kostet ein Nasen-Mund-Tuch. Für Sammelbestellungen gibt es Rabatte. und die Unternehmerin berücksichtigt Farb- und Optikwünsche. Auf ihrer Facebookseite können sich Interessierte ein paar Beispiele ansehen. Kindermasken werden auf Wunsch auch angefertigt. Atay ist von der Maskenpflicht nicht überrascht. „Sie haben bisher keine Pflicht ein geführt, weil es zu wenig Masken gab. Alle großen Einrichtungen. die wir beliefern, haben schon intern Maskenpflicht eingeführt.“ Wie viele sie bisher schon produziert hat, könne sie unmöglich genau sagen. Sie ist sich sicher, „es sind mehrere Tausend.” Unter Tel. 04471/7511 kann man hier Masken bestellen. Auch Rosa lppolito ist fleißig am Nähen. Die Schneiderin besitzt eine Änderungsschneiderei an der Eschstraße in Cloppenburg. „Ich habe nicht damit gerechnet. dass eine Pflicht kommt”, sagt sie. Auch ihre Masken sind aus Baumwolle, können gewaschen werden und sind in verschiedenen Farben für sechs Eure das Stück im Direktverkauf in ihrem Shop erhältlich (Eschstraße: 21, geöffnet montags bis freitags von 9 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr).
EHRENAMTLICH
Nicht in so großen Mengen dafür aber in kompletter Freiwilligenarbeit sind Masken der Ehrenamtsagentur Cloppenburg entstanden. „Wir kommen mittlerweile auf 500 Masken”, sagt die Teamleiterin der Agentur Jutta Klaus. Ihre Masken kosten nichts, sind aber auch nicht für Privatpersonen erhältlich. „Wir haben bereits Masken an das Pius-Stift und das Vincenzhaus abgeben können”, sagt Hedwig Buschmann von der Ehrenamtsagentur. Seit vier Jahren macht sie bei einer Strick- und Nähgruppe der Agentur mit. Als das Projekt „Maskennähen” aufkam, meldete sie sich freiwillig. Die Ehrenamtsagentur schnüre ein Bündel an Hilfsprojekten zur Corona-Krise. Darunter auch eines, in dem circa 15 bis 20 Ehrenamtliche Mundschutzmasken selbst nähen. „Als nächstes werden wir die Schulen ausstatten”, sagt Buschmann. Die Grundschulen und die Oberschulen werden mit rund 200 neuen Masken ausgestattet. Die Stoffe werden gespendet oder von den Ehrenamtlichen selbst zur Verfügung gestellt. Bei der Herstellung war anfangs Kreativität gefragte; „Wir sind ja alle keine Profis”, sagt Buschmann. Anstelle des Bügels, der in einer normalen Maske dafür sorgt, dass man sie an die Nasenflügel selbst anpassen kann, nutzen sie nach einigem Experimentieren nun erfolgreich Pfeifenputzer.
APOTHEKEN
Auch die Apotheken in Cloppenburg bieten wieder Masken an. „Es sind wieder welche verfügbar; das Problem ist nur der Einkaufspreis”, sagt Claudia Oortmann, Leiterin der Marien-Apotheke. Da dieser immer noch viel zu hoch sei, würden die Apotheken die Produkte fast eins zu eins zum Einkaufspreis weiterverkaufen. „Das ist einfach Kriegsgewinnertum, es gehört doch zu unserem Berufsstand zu helfen”, sagt Oortmann. Aus anderen Apotheken in Cloppenburg dringt Ähnliches .
SELBSTNÄHEN
Zu guter Letzt gibt es auch die Möglichkeit, eine Maske selbst zu nähen. Anleitungen dafür sind in den sozialen Netzwerken oder auf der Homepage der Ehrenamtsagentur sowie auf NWZ-online zu finden.

www.nwzonline.de, www.ehrenamtsagentur.org; www.facebook.com/pg/anderungsschneidereiatay/photos/?ref=page_internal

KREIS BEBRÜßT MUNDSCRUTZPFLICHT – LIEBER AUF BUSSE VERZICHTEN
Del Landkreis Cloppenburg begrüßt die Entscheidung von der Niedersächsischen Landesregierung. Mund-Nasen-Bedeckungen ab dem 27. April im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und beim Einkauf vorzuschreiben. So werde ein Flickentenpich aus einzelnen Lösungen verschiedener Kreise vermieden. Der Landkreis Cloppenburg habe mit Blick auf den ÖPNV und die Schülerverkehre, die ab Montag wieder hochgefahren werden, bereits am Dienstag darauf gedrängt, eine Maskenpflicht für den ÖPNV per Verordnung durch  das Land Niedersachsen auf den Weg zu bringen, informierte der Kreis am Mittwoch. Der Niedersächsische Landkreistag hatte diese Forderung der Landesregierung vorgetragen. Vorsorglich hatte die Kreisverwaltung bereits eine eigene Allgemeinverfügung für den Fall vorbereitet, dass sich das Land nicht zur einer Verordnung hätte durchringen können. Landrat Johann Wimberg rät den Bürgern jetzt, sich mit einem Mund-Nasen-Schutz auszustatten. Der Kreis stelle auch den Schülern keine Masken zur Verfügung. Der Landkreis empfiehlt weiterhin, Schulbusse nur dann zu nutzen, wenn es unbedingt erforderlich sei. Wer mit dem Fahrrad oder auf anderem Wege zur Schule kommen könne, sollte diese Möglichkeiten nutzen. Grund ist, dass man die Zahl der Busse nicht plötzlich sprunghaft steigern könne. Dafür stünden weder Fahrzeuge noch Fahrer zur Verfügung. Dieses Problem gebe es nicht nur in den Ballungsräumen und Großstädten, sondern flächendeckend auch bei der Schülerbeförderung im ländlichen Raum.

23.04.2020 NWZ